Borderline-Persönlichkeitsstörung (abgekürzt BPS) oder emotional instabile Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs ist die Bezeichnung für eine Persönlichkeitsstörung, die durch Impulsivität und Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmung und Selbstbild gekennzeichnet ist.[1]
Typische Merkmale:
- Der Betroffene will nicht alleine sein, will Trennungen vermeiden, und das auf jeden Fall.
- Zwischenmenschliche Beziehungen sind zwar intensiv, aber auch sehr instabil, Hass und Liebe wechseln sich häufig ab.
- Der Betroffene hat eine gestörte Identität. Er hat eine gestörte Selbstwahrnehmung.
- Der Betroffene verletzt sich oft selbst.
- Der Betroffene ist auffällig unausgeglichen und instabil. Häufig sind auch Angst und Reizbarkeit oder depressive Stimmungen zu bemerken.
- Der Betroffene fühlt sich leer und ihm ist langweilig
- Der Betroffene mißtraut phasenweise jedem, in Krisen schaltete er komplett ab. Er erlebt sich selbst fremd und verändert.
Denkmuster
BPS-Betroffene weisen charakteristische Denkmuster auf, die auch als „Schwarz-Weiß-Denken“ bezeichnet werden. . Es gelingt selten, von emotional bedeutsamen Menschen eine konstante Vorstellung zu behalten. .Die projektive Identifikation ist ein Abwehrmechanismus, bei dem Teile des Selbst abgespalten und auf eine andere Person projiziert werden. Diese wird dann unbewusst als Teil des eigenen Selbst empfunden. Dadurch werden eigene Inhalte (Werte, Gedanken, Gefühle) als die der anderen Person wahrgenommen.
Die typischen Denkweisen bestehen speziell in bestimmten Situationen und in Verbindung mit bestimmten Objekten, z. B. wenn der Betroffene stark emotionalisiert ist und bei für ihn bedeutsamen Dingen. Daneben sind Borderline-Persönlichkeiten auch in der Lage, ganz normal wie jeder andere Mensch zu denken.
Dissoziative Symptome
Häufig verbreitet sind schwere dissoziative Symptome, die bei jeder BPS bestehen.
Bei (BPS-)Betroffenen treten solche Störungen in verschiedenen Schweregraden auf und auch in verschiedenen Arten. Dazu gehören Depersonalisation, Derealisation, Dämmerzustände, Denkstörungen, (Teil-)Amnesien, Hymnesien (negative Überflutungen), Zwangsgedanken, sowie Kontrollverlust, wenn emotionsgeladene Abspaltungen (re-)aktiviert werden.
Sozialverhalten
Im Umgang mit anderen Menschen fällt es Betroffenen meist schwer, Nähe und Distanz zu regulieren. Dabei spielen die kontrastierenden Ängste vor Nähe und Ängste vor dem Alleinsein eine entscheidende Rolle.Durch die extreme Gefühlslage kann es zu impulsiven Verhaltensweisen kommen, speziell bei schmerzhafter oder vermeintlicher Kränkung sowie bei zwischenmenschlichen Konflikten.
Bei Konversationen untersuchen Betroffene die Äußerungen und Kommunikationssignale (Gestik, Mimik, Sprechweise) sehr intensiv auf bestimmte Merkmale; in Beziehungen auf vermeintliche oder tatsächliche Abweichungen des Verhaltens (Tragen von Schmuckstücken, Arbeits-Ende). Das kann aus Misstrauen
(resp. Angst) geschehen oder wegen möglicher Kränkungen.
Selbstverletzendes Verhalten
Selbstverletzendes Verhalten (SVV) bei der BPS ist von Suizidalität abzugrenzen, weil SVV nicht mit Selbstmordabsicht betrieben wird. Es gibt verschiedene Arten selbstverletzenden Verhaltens im engeren Sinne, wie körperliche Selbstverletzungen durch Schneidwerkzeuge, Schläge gegen den eigenen Körper oder gegen harte Oberflächen wie Wände (in manchen Fällen bis zum Knochenbruch), Verbrennungen, Verätzungen und andere Methoden. Außerdem gibt es indirektere Formen wie Substanzmissbrauch, SVV durch Essstörungen und allgemein durch exzessive Verhaltensweisen. Selbstverletzendes Verhalten im weiteren Sinne kann durch bewusste oder unbewusste Handlungen erfolgen, die den Betroffenen gefährden, in eine schlechtere Lage bringen oder ihm Ärger einbringen.Die verschiedenen Formen des SVV resultieren immer aus bestimmten Gründen. Zum Beispiel dient Hochrisikoverhalten dazu, Ohnmachtsgefühle zu stabilisieren. Gründe für körperliche Selbstverletzungen können sein (nach Sachsse 2001):
- Um innere Spannungen zu lösen
- Als Selbstbestrafung gegen Schuldgefühle
- Zur Reorientierung bei schweren dissoziativen Zuständen
- Um sich wieder zu spüren (Betroffene verlieren manchmal ein normales Körpergefühl)
- Um sich Kicks zu verschaffen (SVV kann euphorisieren, weil dadurch Serotonin ausgeschüttet wird, an dem es vielen Betroffenen zumindest zeitweise mangeln kann)
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